Literarische Kurse
Veranstaltungen

Im Rahmen des >>> Fernkurs für Literatur veranstalten die Literarischen Kurse jedes Jahr eine öffentlich zugängliche Fernkurs-Tagung.

Diese ermöglicht den aus ganz Österreich, Deutschland und oft auch Italien und der Schweiz angereisten Teilnehmer*innen nicht nur einen intensiven (Lese-)Austausch, sondern bietet in Form von Fachvorträgen, Workshops und Gruppenarbeiten umfangreiche und vielseitige Inputs von Expert*innen. Auch ehemalige Teilnehmer*innen und andere Interessierte erhalten dabei die Möglichkeit, ihre persönliche Lektüren zu erweitern und Raum für ein Wiedersehen.

 

VER(S)DICHTEN

Tagung im  Rahmen des Fernkurs für Literatur lyrikLESEN der Literarischen Kurse
8. bis 10. März 2024 | Wien | Stephani-Saal, Stephansplatz 3, 1010 Wien

 

Programm

 

Freitag, 8. März 2023

ab 16:00 Uhr
Ankommen und Kaffee

16:30 Uhr
Eröffnung

17:00 Uhr       
Lyrikfrauen – Frauenlyrik in Theorie und Praxis

18:00 Uhr
Buffet

19.00 Uhr
Werkstattgespräch – Elisabeth Steinkellner im Gespräch mit Heidi Lexe

 

Samstag, 9. März 2023

09:00 Uhr
Lyrik performen – Vortrag von Claudia Sackl

11:00 Uhr
Lyrik übersetzen – Vortrag von Monica Wenusch

11:30 Uhr
Mittagspause

14:30 Uhr
Workshops – mit den Kursbegleiterinnen

18:00 Uhr
Abendpause

20:00 Uhr
Gemeinsamer Kino- bzw. Theaterbesuch (optional)

 

Sonntag, 10. März

09:30 Uhr 
Lyrische Doppelconference – Peter Clar & Markus Köhle. Moderation: Heidi Lexe

11:30 Uhr
Abschluss der Tagung

12:00 Uhr
Ende der Tagung


Die Tagung richtet sich an die Teilnehmer*innen des Fernkurses „lyrikLESEN“ der Literarischen Kurse. Um sich die Tagung für das Zertifikat anrechnen zu lassen, ist die Anwesenheit an allen drei Tagen erforderlich.

Die Tagung steht allen Interessierten offen!

Tagungsbeitrag


Die Kosten des Besuches einer der beiden Tagungen (Wien/Siegburg bei Bonn im September 2024) sind im Tagungsbeitrag der Fernkursanmeldung enthalten.
€ 90,- (Tagungsbeitrag für alle drei Tage für externe Gäste)
Anmeldungen unter office@literarischekurse.at

(Änderungen im Programm vorbehalten)

Die allgemeinen Geschäftsbedingungen finden Sie hier

 


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Tagung im Rahmen des Fernkurs für Literatur »nachLESEN«

»Sprache finden – Leben erzählen«



10. bis 12. März 2023
Wien | Stefanisaal


Passend zum Motto des aktuellen Fernkurs Literatur »nachLESEN« lässt sich hier nachempfinden, nachdenken und Nachschau halten, was die Tagung »Sprache finden – Leben erzählen« für ihre Besucher*innen bereithielt:

Freitagabend gab Iris Gassenbauer zum Einstieg die Ouvertüre und lud dazu ein, sich zu verzetteln. War es die offene Türe oder doch die Ofentüre, die hineinführt – oder ver- oder entführt – in die großen Fragen, wo Literatur beginnt, ob Literatur Geschichte schreiben oder die Zukunft verändern kann? Imaginär von Schnitzler auf der Prater Hauptallee begleitet ließ sie uns mit Pessoas »Buch der Unruhe« in Dialog treten, mit Höderlin den desaströsen Zustand von Sprache beweinen und sich verkatert mit Sargnagel trösten, um schließlich – alle Notizen über den Haufen werfend – Ransmayers Diktum Geschichten ereignen sich nicht, Geschichten werden erzählt Vertrauen zu schenken. Zu erklären, was das mit Bowls und Avocados zu tun hat, würde hier allerdings den Rahmen sprengen, doch wer dabei war ... Sie wissen schon.



»Sprache finden« war die Überschrift zu Claudia Sackls Werkstattgespräch mit Michael Stavarič, der als mehrsprachig Aufgewachsener das Nomadische in der Sprache verinnerlicht hat und sich als Sprachwanderer bezeichnet, der für jedes Projekt eine neue Sprache findet, einen Duktus und eine Art von Metaphorik. Sein vielfältiges Schaffen von Erzählung und Roman über Lyrik bis hin zum Kinder-Sachbuch zeugt davon. In »Faszination Krake« und »Faszination Qualle« wird dem faktualen Erzählen Raum gegeben und zugleich demonstriert, dass es um viel mehr geht als um die Herangehensweise der Universalgelehrten, die auf verschiedene Arten Sachverhalte erklären und deshalb in verschiedenen Sprachen davon sprechen. Dass ihm dabei der Schalk im Nacken sitzt und auch Ernstes poetisch, also in einem spielerischen Umgang mit Sprache, abgehandelt werden darf, beweist er mit dem Eichelhäherisch seines Piepmatz oder in Mundartgedichten, deren mitgelieferte hochdeutsche Übersetzung die Kunstsprache des Dialekts offenlegt.



Der Samstagvormittag war wissenschaftlichen Erkundungsgängen gewidmet:

Michael Hammerschmid breitete ein Suchbild zur Poetik der Lyrik aus, an dessen Beginn die Erkenntnis stand, dass Lyrik nicht erzählt, sondern dass der*die schweigende Dichter*in eher ausschneidet, die Wahrnehmung selbst zum Ereignisgegenstand wird und Wirklichkeitsmöglichkeiten anbietet. Anhand ausgewählter Beispiele demonstrierte er einerseits einen autobiografischen Grundduktus in der Lyrik, die damit fast immer Leben erzählt, andererseits aber auch die aus Bildern bestehende Sprache, die auf engem Raum große Werte erzeugt. Dabei spannte er den Bogen von der Homer’schen Totenklage, die mit der Schönheit der Sprache das Sterbliche bannen und somit Leben erzählen kann, über den Verlust von Sprache bei Rousseau und Herder bis hin zur Nicht-Sprache der Dadaist*innen.

Marina Rauchenbacher gewährte Einblick in (auto-)biografische Comics. Nach einer kreativen Übung zum Einstieg, in der die Bedeutung des Körpers als Erzählfläche im Comic erklärt wurde, gab sie einen Überblick zur Entwicklung vom unterhaltsamen Comic Strip über Tabus aufgreifende Underground Comics der 1960er und die damit einhergehende Zensurthematik bis hin zur aktuellen Graphic Novel, die manchmal sogar ohne Text auskommt und Themen wie Krankheit, Missbrauch, Gewalt, Krieg, Flucht und Trauma bearbeitet.



Am Samstagnachmittag standen im Anschluss vier Workshops zur Wahl:

Sonja Loidl widmete sich unter dem Titel » (Vom) Erzählen leben« dem Thema Autor*innenschaft und der Bedeutung der Person hinter einem Text für Lektüre und Interpretation. Das Zitat Man spricht nicht, wie man schreibt. Man schreibt, wie man denkt, stellte Simone Weiss ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema Lesebiografie und der Selbstermächtigung durch Schreiben und Lesen voran. Ela Wildberger nahm ausgehen von Else Lasker-Schülers poetisierter Existenz als »Prinzessin Tino von Bagdad, Prinz von Theben« das Wechselspiel zwischen Literatur und Leben unter die Lupe. Und Elisabeth Zehetmayer diskutierte unterschiedliche Darstellungen von Mutter- und Vaterfiguren namhafter Autor*innen.



Am Sonntag stand das zweite große Werkstattgespräch auf dem Programm: Claudia Sackl sprach mit Alois Prinz über sein umfangreiches Schaffen, im speziellen über seine Biografien von Simone de Beauvoir, Ulrike Meinhof, Milena Jesenská, Martin Luther King und ganz aktuell Franz von Assisi. Er erzählte davon, wie er ein Leben erzählt, wie nahe man einer Person kommen darf und dass in Distanz und Respekt oft mehr Erkenntnis liegt als in aufdringlichem Bedrängen. Figuren geben sich auf unterschiedliche Art zu erkennen, meinte Alois Prinz, und auch wenn Briefe und Tagebücher aufschlussreich sind, sollte man sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass keiner sich selbst kennt. Fragen sie ihre Nachbarn. Um sich für die Geschichte eines Menschen zu entscheiden, braucht er einen persönlichen Zugang und eine ausreichende Quellenlage. Wichtig ist ihm dabei, ein Leben nicht vom wissenden Ende her zu erzählen, sondern die Wendepunkte und Momente der Entscheidungen in einer Biografie auszuleuchten und niemanden überlebensgroß werden zu lassen, denn: Es gibt zwei Arten, jemanden zu vergessen: Man erzählt nicht mehr von ihm oder man macht ihn zum Denkmal.



Am Ende wurden – ganz nach Tradition – die Rätsel des Literaturquiz gelöst und die Siegerehrung vorgenommen. Mit Danksagung an das Fernkurs-Team der von Claudia Sackl geleiteten Literarischen Kurse ging die Tagung erfolgreich zu Ende.

Ein Bericht von Alexandra Holmes
Fotos von Alexandra Hofer und Iris Gassenbauer


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Tagung im Rahmen des Fernkurs für Literatur »hinausLESEN«

»Randschaften«

21. bis 23. Jänner 2022
Heffterhof | Salzburg


Nach langem Bangen und allen Widrigkeiten zum Trotz begaben sich die Teams der Literarischen Kurse, des Österreichischen Bibliothekswerks und der STUBE gemeinsam mit den Teilnehmer*innen des Fernkurs »hinausLESEN« zur Fernkurs-Tagung ins verschneite Salzburg. Unter dem Titel »Randschaften« wurden im schönen Heffterhof vom 21. bis zum 23. Jänner 2022 literarische und allgemein künstlerische Grenzgebiete erkundet, Definitionen des Randständigen hinterfragt und neue Perspektiven auf sie gewonnen.

In einer thematischen Ouvertüre sensibilisierte Reinhard Ehgartner für ebendiese Fragestellungen und führte die Teilnehmer*innen gedanklich noch einmal aus dem Tagungshaus hinaus und direkt in die Gassen des literarischen Salzburgs. In einem historischen Rundgang streifte er Dichter*innen und Produktionen, die in der Rezeption der Stadt bis heute nachwirken (von Sound of Music bis zu den Gedichten Georg Trakls), wies auf künstlerische Strömungen und Gleichzeitigkeiten hin und setzte sie zueinander in Beziehung. Nicht zuletzt führte er die Tagungs-Gesellschaft an die Relativität von Konzepten wie Zentren und Peripherien heran; und machte auf manch poetische Wortschöpfung aus der Geografie – wie etwa den „Pol der Unzugänglichkeit“ – aufmerksam.

Anschließend wurde als Höhepunkt des ersten Tagungsabends der Autor Alois Hotschnig zum Gespräch über die Kunst des Erzählens gebeten. Reinhard Ehgartner, Claudia Sackl und Sarah Auer gaben mit ihren Fragen thematische Impulse, bald schon öffnete sich das Gespräch aber durch die rege Beteiligung des Publikums. Der Autor las aus seinem neuen Roman Der Silberfuchs meiner Mutter, berichtete von dessen Entstehung aus einer realen Biografie heraus und schilderte vor allem, wie er diesem sehr persönlichen Projekt sprachlich und formal gerecht werden wollte: Unter anderem nannte er das kärntnerische „Zuwesinga“ als einen Zugang, um die Vielstimmigkeit von Quellen und Einflüssen in einem subjektiven Erzählstrang zu bündeln.

Der vielfältige und intensive Samstag wurde durch einen Vortrag der Germanistin und Romanistin Renate Langer eröffnet, der sich Rändern, Grenzen und Schwellen in der Literatur widmete. Ausgehend von Joseph Campbells kulturwissenschaftlichem Klassiker Der Heros in tausend Gestalten legte sie anhand ausgewählter Beispiele das „mythische Substrat“ zahlreicher Geschichten von Homers Odyssee bis in die Gegenwartsliteratur (beispielsweise Wolfgang Herrndorfs Tschick) frei. Ihren Zuhörer*innen brachte sie dabei gängige Topoi der literarischen Schwellenüberschreitung nahe – etwa die Reise von Held*innen in die Unterwelt –, erwähnte aber auch die wenig rühmliche Rolle der sogenannten Grenzlandliteratur in der Konstruktion des Eigenen und des Anderen.

Mit dem Nachmittag begann ein Reigen von Werkstattgesprächen zu literarischen Grenzräumen. Unter dem Motto SchreibRäume lud zunächst Elisabeth Zehetmayer vom Österreichischen Bibliothekswerk die Autorin, Journalistin und Regisseurin Brita Steinwendtner zum Gespräch. Diese erzählte von ihren vielen Begegnungen mit Kunstschaffenden (auch, aber nicht nur während ihrer Zeit als Intendantin der Rauriser Literaturtage) und berichtete, warum es für die Arbeit von Schriftsteller*innen oft höchst relevant ist, welche Räume sich diese zum Schreiben wählen.

Daran anschließend bat Claudia Sackl den Autor Vladimir Vertlib zum Austausch über unterschiedliche SprachRäume in seinen Texten und seinem Arbeiten. Ausgehend von zwei Lesungen aus seinen Essays führte er an eine zentrale These heran: Literatur von Zuwanderer*innen sei keine Bereicherung für eine nationalsprachliche Kunstszene. Ihre Existenz und ihre Rezeption stellen überhaupt erst einen Normalzustand, eine Vollständigkeit her, wo zuvor schlichtweg ein Mangel geherrscht habe. Im angeregten Gespräch, an dem sich auch viele Tagungsteilnehmer*innen beteiligten, wurden so neue Sichtweisen auf Mehrsprachigkeit und ihren identitätsbildenden Charakter gewonnen.

Den Samstagabend rundete ein Werkstattgespräch zwischen Heidi Lexe und der aus Deutschland zugeschalteten Synchron- und Hörbuchsprecherin Maria Koschny ab. Ganz seiner Betitelung HörRäume entsprechend wurde dieses in den digitalen Raum ausgelagert. Zunächst jedoch führte Heidi Lexe anhand einzelner Produktionen und Filmausschnitte in das umfassende Werk der Sprechkünstlerin ein, die anschließend über ihren Arbeitsalltag plauderte und unter anderem erklärte, wie man in ihrem Job „das Sprechen nochmal anders lernt“, warum das Mikrofon in ihrer Arbeit nicht die Grenze ist und was unter dem Begriff des Lippenablösegeräusches zu verstehen ist.

Als Abschluss der Tagung erwarteten die Besucher*innen am Sonntagvormittag bewährte und aktuelle Buchempfehlungen von Claudia Sackl, Sarah Auer, den Fernkurs-Begleiterinnen Iris Gassenbauer und Elisabeth Zehetmayer sowie Alexandra Hofer und Heidi Lexe von der STUBE. Unter dem Motto Randständige LiteraturTipps versammelte das Fernkurs-Team eine Vielfalt an gestalterisch – sei es formal oder inhaltlich – bemerkenswerten Publikationen. Daran anschließend wurde durch eine anonyme Wahl noch das wundersamste und besonderste Buch der Tagung gekürt; gewonnen hat Shaun Tans Ein neues Land.

Ausgestattet mit neuem Lesestoff, anregenden Denkanstößen und frischen Perspektiven auf das (vermeintlich) künstlerisch Randständige machten sich Organisator*innen und Teilnehmer*innen wieder auf den Heimweg – schon voller Vorfreude auf kommende Veranstaltungen und Tagungen.

Ein Bericht von Sarah Auer
Fotos von Alexandra Hofer und Iris Gassenbauer

 

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Tagung im Rahmen des Fernkurs für Literatur »ausLESEN«

»Vom Hören Erzählen«

Eine Veranstaltung des Borromäusverein e. V. und der STUBE

24. bis 26. September 2021
Siegburg bei Bonn, Katholisch-Soziales Institut (KSI)



Ton an: Die Tagungssymphonie kann nach einer langen Veranstaltungspause wieder erklingen. Und so begab man sich von 24. bis 26. September 2021 in das Tagungshaus nach Siegburg bei Bonn, wo es weniger um die Bilder im Kopf ging, die beim Lesen entstehen, als vielmehr um das Hören in und durch Literatur. Bevor es so weit war, wurde das Hören aber auch zu einer zentralen Komponente in der Vorbereitung der Tagung: Zahlreiche Telefongespräche zwischen der STUBE, dem Borromäusverein – dem Veranstalter der Tagung –, und den Literarischen Kursen konnte man am Stephansplatz Nr. 3 belauschen, bis nach langem Zittern qua wechselhafter Sicherheitsmaßnahmen klar war: Die Tagung wird stattfinden können! Man beginne mit dem Musikstück.

Ouvertüre ...

Die Ouvertüre dieser Tagung wurde von Peter Rinnerthaler be-/gespielt, der in seinem Vortrag zu auditiven Phänomenen in der (Kinder- und Jugend-)Literatur die begriffliche Basis für das Sprechen über Töne, Laute und Klänge bereitete. Und so hörten die Teilnehmer*innen ganz genau hin, um für die folgenden Tage gut gerüstet zu sein. Zu belauschen waren dabei nicht nur Fachbegriffe und Theorien über das Hören, sondern auch zwei Videos über die Soundscape Wiens und Siegburgs, die Peter Rinnerthaler exklusiv für die Tagung aufgenommen hatte.

... Vivace ...

Tom Sawyer oder Huckleberry Finn. Momo oder Bastian Balthasar Bux. Harry oder Hermine. Mit diesen kniffligen Fragen leitete Nils Mohl sein Werkstattgespräch mit der Autorin Elisabeth Steinkellner ein. Gesprochen wurde dabei über Elisabeth Steinkellners Prosawerke, ihre Schreibprozesse und Arbeitsweise. Dabei gab es auch einige persönliche Einblicke: Zu welcher Tages- und Nachtzeit wird gearbeitet? Wie wurden die Songs für den literarischen Soundtrack in Rabensommer ausgewählt? Und natürlich: Woran arbeitet Elisabeth Steinkellner momentan? Der Eindruck dieses besonderen Werkstattgespräches: Ein Werkstattgespräch mit besonderer Dramaturgie, das in seiner Umsetzung überaus harmonisch war.


... Crescendo ...

Am zweiten Tagungstag bekamen die Teilnehmer*innen einen spannenden Vortrag von Jörn Figura-Buchner über Klang- und Geräuschkulissen im Kopfkino der Literatur zu hören. Die zentrale Frage lautete dabei: Wie lässt sich Ton in literarischen Texten hörbar machen? Wie aufmerksame Zuhörer*innen nun wissen, funktioniert das über den Einsatz rhetorischer Figuren, die lautlichen Qualitäten der verwendeten Sprache, die Gestaltung des Textbildes oder die Beschreibung von lautlichen Phänomenen.

Nach diesem Ausflug in die Bilderbuchforschung folgte ein Vortrag von Felix Giesa über Musikerbiografien im Comic. Dabei konnten die Zuhörer*innen viel über Musikidole wie Johnny Cash erfahren und sich mit der Frage auseinandersetzen: Wie macht man Musik in und durch Comicpanels hörbar?



... Allegro ...

Munter ging es auch bei dem Lyrik-Salon weiter, für den zwei alte Bekannte (erneut) auf der Bühne Platz nahmen: Nils Mohl und Elisabeth Steinkellner sprachen mit Heidi Lexe über das Schreiben und Lesen von Lyrik – und natürlich über ihre lesens- und hörenswerten Lyrikbände, die in den vergangenen Jahren veröffentlicht wurden. Auch das Publikum durfte bei dieser stimmigen Lyrik-Symphonie mitspielen: Sie konnten sich von Nils Mohl und Elisabeth Steinkellner Gedichte vorlesen lassen und
ihre Gedanken dazu teilen.



Schwungvoll folgte abends das Werkstattgespräch zwischen Tobias Krejtschi und Heidi Lexe, in dem der Illustrator einen Blick hinter die Kulissen seiner Arbeit an der Ballade Die Brück’ am Tay erlaubte. So konnten nicht nur die einzelnen Arbeitsschritte von der Idee über die Recherche bis zur Ausarbeitung der Illustrationen nachverfolgt werden, sondern auch die kunstvollen Skizzen der einzelnen Arbeits-
phasen bestaunt werden. Ein akustisches Highlight stellte dabei Tobias Krejtschis beeindruckender mehrstimmiger Vortrag von Fontanes Die Brück’ am Tay dar.



... Grand finale

Manchmal im Leben passt nur Kitsch. Mit dieser Prämisse aus Paulus Hochgatterers Caretta, Caretta spannte Heidi Lexe am letzten Tagungstag den Bogen von Tom Waits über Coldplay bis zu U2, die alle eines gemeinsam haben: Sie werden als literarischer Soundtrack in jugendliterarischen Werken aufgerufen, um Figuren und Beziehungen auszuleuchten und den Romanen eine akustische Atmosphäre zu verleihen, die viele Zuhörer*innen dieses stimmigen Vortrags ergriffen schlucken ließ.


Der Ausklang dieser Tagung wurde von Bettina Kraemer und dem Team der Literarischen Kurse und der STUBE gestaltet, die aktuelle Werke der Allgemeinliteratur, Graphic Novels, Sachbücher, Bilderbücher und Jugendromane vorstellten, in denen sich alles um das Hören dreht. Nach der Auflösung des – wie sich herausstellte durchaus kniffligen – Literaturquiz folgte schließlich nicht die Stille, sondern ein weiteres akustisches Phänomen, das die letzten Tage bereits durchgehend begleitet hatte: Tosender Applaus – und die stille Hoffnung auf ein baldiges Replay, das nicht lange auf sich warten lässt: Die Anmeldephase für die Tagung »Randschaften« in Salzburg, die die Literarischen Kurse diesmal in Kooperation mit dem Österreichischen Bibliothekswerk veranstalten hat bereits begonnen. Die Literarischen Kurse werden also auch weiterhin von sich hören lassen!



Ein Bericht von Julia Lückl
Fotos von Johannes Reimer und Peter Rinnerthaler

 

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Tagung im Rahmen des Fernkurs für Literatur »ausLESEN«

»ausFORMEN | ausGESTALTEN«

18. bis 19. Juni 2021
Wien, Stefanisaal

Bekanntlich soll man die Feste feiern, wie sie fallen, und eine gute Gelegenheit beim Schopf packen. Also haben die Literarischen Kurse nicht lange gefackelt und ihre zunächst verschobene Tagung in die zarten Gefilde der zu Ende gehenden Lockdowns und des beginnenden Sommers gelegt. Was dabei herauskommt? Strahlende Gesichter im strahlenden Sonnenschein, intakte Klimaanlage, kreatives Catering sowie spannende Vorträge und Werkstattgespräche.

Den Auftakt am Freitag Abend bildete die feierliche Verleihung der Zertifikate und ein kniffliges Literaturquiz, bei dem die frisch gekürten Absolvent*innen noch einmal mit ihrem reichen Wissen zu Buchwissenschaft, Illustration, Medienkombination, Buchgestaltung, Medienwechsel, Intertextualität, Metafiktion und Graphologie brillieren konnten.

Anschließend manifestierte sich die intensive Kooperation zwischen >>> STUBE und Literarischen Kursen in einem Werkstattgespräch (und gleichzeitig STUBE-Freitag), das den Arbeitstitel "Nils Mohl forever" trug. Heidi Lexe stellte Fragen zu seiner vielfältigen schriftstellerischen Arbeit vor allem im Bereich des Romans und Drehbuchs. Nils Mohl erzählte zunächst von seiner eigenen Lesebiografie, wie Lektüre ähnlich der Begegnung mit Menschen sich im Lauf des Lebens verändert und eine Lektüre oft die folgenden bestimmt. Anhand von Es war einmal Indianerland wurde die Einsamkeit und Verwirrung seines jugendlichen Protagonisten, sein Nicht-Verstehen und Nicht-Verstanden-Werden, thematisiert, und wie diesem inneren Chaos die "Grammatik des Erwachsenwerdens" und ein beinahe mathematisch austarierter Aufbau des Textes gegenübergestellt werden. Mit Es gilt das gesprochene Wort (Originaldrehbuch) und An die, die wir nicht werden wollen (demnächst bei Tyrolia) wurden seine jüngsten Werke vorgestellt.

Roman – Drehbuch – Film – Theaterstück – Hörbuch – Gerichtsprozess. Nils Mohl (links) und Iris Gassenbauer (rechts)
führten mit Lust am Erzählen und Experimentieren durch die intermedialen Wirren der vielseitigen Adaptions-
möglichkeiten von literarischen Vorlagen.
Der Samstagvormittag war Fernkurs-Begleiterin und Leseheft-Autorin Iris Gassenbauers Vortrag Intermedialer Reigen. Auf den Spuren Arthur Schnitzlers gewidmet. Darin zeichnete sie die Aufführungsgeschichte dieses skandalumwitterten und formal durch seine Einfachheit bestechenden Werkes nach. Ausschreitungen erzwangen langjährige Aufführungsverbote, die den Stoff in mediale Ausweichmanöver drängten. Neben einer Adaption für das Musiktheater und mehreren Verfilmungen erscheint der Gerichtsprozess um das Stück heute am skurrilsten, weil die Zeugenaussagen nicht das Bühnengeschehen beschrieben, sondern viel mehr das Innenleben des angeblich so schockierten Publikums.

Am Samstagnachmittag standen Werkstattgespräche zum Thema Literatur gestalten auf dem Programm. In seinem Impulsreferat leitete Reinhard Ehgartner einen Streifzug durch die Landschaften des Buches an. Dabei ging es keineswegs um Lektüre oder das Buch an sich, sondern um Bibliotheken, die in ihrer von Türmen, Stiegen, Licht und Höhe geprägten Architektur gemeinsam haben, dass sie mehr als die Summe ihrer Bestandteile darstellen. Sie ragen über sich hinaus und verweisen auf andere, transzendente Welten, in denen der Bibliothekar Hohepriester ist. Als Orte des Wissens sind sie gleichzeitig aber auch Orte der Ordnung und des Wahnsinns. "Irgendwie geht Ordnung in das Bedürfnis nach Totschlag über", heißt es in Musils Mann ohne Eigenschaften. Aber auch Knolle Murphy macht klar, dass Bücher lieben nicht notwendigerweise Bücher lesen heißt.

Der Leiter des Österreichischen Bibliothekswerks Reinhard Ehgartner (oben links), die Illustratorin Linda Wolfsgruber (oben rechts), der Graphic Novel-Künstler Leopold Maurer (unten links) und der Lyriker Semier Insayif (unten rechts) diskutierten am Samstagnachmittag über unterschiedliche mediale Gestaltungsformen von Literatur.

Kathrin Wexberg sprach mit Linda Wolfsgruber über ihre Ausbildung zur Malerin und Grafikerin und wie sie zur Illustration von Büchern kam. Anhand ihrer Bücher Sternenbote (mit Reinhard Ehgartner), Der Moment, bevor … (mit Ela Wildberger) und Die kleine Waldfibel erklärte sie, dass jeder Text nach einer bestimmten Technik verlangt, und dass mit dem Grad der Kunstfertigkeit in einer bestimmten Technik auch die Freiheit wächst, sich über die Technik hinwegzusetzen.

Leopold Maurer erklärte im Gespräch mit Alexandra Hofer die Facetten seiner Arbeit und wie sich die Comic-Szene in den letzten Jahren gewandelt hat. Während Comics für Zeitungen und Magazine vom Tempo und der Tagesaktualität leben, spielt der Faktor Zeit bei der Graphic Novel alleine durch die Anlaufzeit von ein bis zwei Jahren eine ganz andere Rolle. Durch die Begrifflichkeit ließ sich auch eine neue Leser*innenschicht erschließen und anders als Comics, die mit "Schund" in Verbindung gebracht wurden, werden heute auch Graphic Novels im Feuilleton besprochen. Vor allem seine Version von Shakespeares Sturm, aber auch die Auseinandersetzung mit österreichischer Zeitgeschichte in INSEKTEN sind starke Beispiele.

"Lyrik ist das mit viel weiß herum", meinte Semier Insayif gleich zu Beginn seines Gesprächs mit Reinhard Ehgartner. Das erleichterte Schmunzeln darüber wich allerdings rasch beglücktem Staunen, als er von der Verbindung der Lyrik zu Malerei, Musik und Tanz sprach und davon, wie Lyrik die Sinnzentrierung des Alltags zu öffnen vermag – nicht um Antworten zu geben, sondern um eine neue Seite aufzuschlagen.

Am Ende wurden die Rätsel des Literaturquiz gelöst, eine wohlverdiente Siegerin gekürt und das motivierte Team der von Claudia Sackl geleiteten Literarischen Kurse bedankt. Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Mal!

Ein Bericht von Alexandra Holmes
Fotos von Melanie Reder

 

Im November beginnt der neue Fernkurs »hinausLESEN«, der sich Sonderformen und Grenzgebieten der Literatur widmet: In vier Modulen beschäftigen wir uns mit Tagebuchliteratur, Reiseliteratur, literarischer Komik und literarischer Erotik.

Weitere Informationen zum neuen Fernkurs finden Sie
>>> hier
. Die Anmeldung ist ab sofort und bis 30. September 2021 >>> hier möglich.

 


 

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Tagung im Rahmen des Fernkurs für Literatur »einLESEN«

»erZählen«


4. bis 6. September 2020
Wien, Stefanisaal

Während schon ein neues Arbeitsjahr und auch der nächste >>> Fernkurs für Literatur in den Startlöchern scharren, fand in Wien von 4. bis 6. September 2020 die Tagung »erZählen«, die gleichzeitig den Abschluss des aktuellen Fernkurs »einLESEN« bildete, statt. Sie widmete sich dem Dialog zwischen Lehrenden und Lernenden und ergründete dabei das Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie unterschiedliche Modi des Erzählens.

Eröffnet wurden die drei intensiven und spannenden Tage mit der festlichen Verleihung der Fernkurs-Zertifikate und anschließender Verköstigung samt Sekt & Empanadas. Dermaßen gestärkt ereignete sich bereits der erste Höhepunkt (und gleichzeitig >>> erster STUBE-Freitag) der Saison: Susan Kreller, für ihr jüngstes Buch >>> Elektrische Fische (Lese-Tipp September 2020) mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2020 der Deutschen Bischofskonferenz ausgezeichnet, las aus ebendiesem und aus ihrem Erwachsenenroman >>> Pirasol (Lese-Tipp September 2019) vor.

Militärbischof Werner Freistetter gratulierte Susan Kreller zur Auszeichnung mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2020.

 

Für die musikalische Untermalung
sorgte Christof Trimmel.

Mit Heide Lexe sprach Susan Kreller darüber, wie sie zu Beginn jeder Figur ihre eigene Sprache schaffen muss, wie Heimat ein Zuhause-Sein in der Sprache bedeutet und dass der deutsche Osten, in dem sie aufgewachsen ist, erst mit ihrem neuesten Buch in den Fokus rückte. Sie erzählte auch von einer Klassenzimmertheater-Fassung ihres Textes und wie eine vom Lärm aufgeschreckte Mathelehrerin sie dazu animierte, ab sofort in jedem Werk eine laute Szene (für Mathelehrer*innen) einzubauen. Gleichzeitig ging es aber besonders um die Stille und die Auslassung, um das Erzählen von Sprachlosigkeit und Leere und um das Finden der eigenen Stimme – ob laut oder leise.

Den Samstag eröffnete Julia Boog-Kaminski (IFK – Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaft) mit ihrem Vortrag Anderssprechen: Zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit im interkulturellen Erzählen. Dabei stellte sie die deutsch-japanische Autorin Yoko Tawada mit ihren Betrachtungen zur Beziehung von Sprache und Schriftzeichen und ihrem Text über Paul Celan und das Lesen auf Japanisch der deutsch-türkischen Autorin Emine Sevgi Özdamar gegenüber, die ausgehend von einer Kindheit ohne Sprache Entfremdung ins derb naive Gewand des Schelmenromans kleidet. Mit Gérard Genettes „la voix“, der Stimme in der Schrift, liefert sie den theoretischen Überbau dazu, was wie und von wem für wen erzählt wird.


Interkulturelle und zeitliche Verschränkungen im literarischen Erzählen standen in Julia Boog-Kamniskis Vortrag und den Buchvorstellungen von Reinhard Ehgartner, Heidi Lexe, Alexandra Hofer und Claudia Sackl im Zentrum.

Am Nachmittag standen drei Workshops zur Auswahl: Martina Lainer analysierte anhand von Hanna Sukares Schwedenreiter gattungshybrides Erzählen und wie es sich als ästhetisches Prinzip auf verschiedene Ebenen auswirkt. Dabei konnte im Fernkurs erworbenes Wissen angewandt werden.
Lena Brandauer behandelte in ihrem Workshop sowohl die historische Entwicklung als auch aktuelle Zugänge zum unzuverlässigen Erzählen und erörterte anhand von literarischen und filmischen Beispielen die innertextlichen Signale für „unreliable narration“ und wie diese gedeutet werden können.
Peter Rinnerthaler demonstrierte anhand ausgewählter Werke, wie grafisches Erzählen funktioniert, wie z. B. Bewegung in Raum und Zeit von der gewohnten Leserichtung abhängt, und bot einen Überblick über das fachliche Instrumentarium zu Bildanalyse und Comictheorie.

Am Sonntag mussten die Teilnehmer*innen der Tagung feststellen, dass die Zeit viel zu schnell vergangen war. Passend dazu leitete Reinhard Ehgartner einen Blick „Hinter die Zeit“ an und ging auf seinem unkonventionellen Streifzug spannenden Fragen nach, z. B. warum alles einen Anfang haben muss und man eben einen erfindet, wenn es keinen gibt; warum Zeitsprünge in Träume verpackt die Gegenwart nicht verlassen; wie manche Zeiten Beziehung zueinander entwickeln, indem sie sich nicht kopieren, sondern neu erzählen; wie die Erinnerung unkontrollierbare Zeitreisen unternimmt und wie schließlich in der „Zeder von Versaille“ der junge Baum im alten freigelegt ist und zeigt, dass alles immer schon da war.
Zum Abschluss stellten Alexandra Hofer, Heidi Lexe und Claudia Sackl neuere Bücher zum Thema „Erzähl mir die Zeit“ vor. Dabei spannten sie den Bogen von Monika Helfers Familiengeschichte Die Bagage, die 1914 beginnt, über Zeitzeugenberichte zum Holocaust wie Ginette Kolinkas Rückkehr nach Birkenau oder Seweryna Szmaglewskas Die Frauen von Birkenau bis hin zu Ines Geipels Umkämpfte Zone, wo Familiengeschichte und Zeitgeschichte in der DDR verknüpft werden, und Simon Stålenhags Tales from the Loop, das Zukunftsentwürfe im Kleid der 80er-Jahre erscheinen lässt.

Mit der lustigen Auflösung des Literaturquiz vom Freitagabend samt Siegerehrung und Danksagung an all die großartigen Mitwirkenden verabschiedete sich das Team der Literarischen Kurse.

Ein Bericht von Alexandra Holmes
Fotos: Peter Rinnerthaler, Alexandra Hofer und Marina Gennari

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Tagung im Rahmen des
Fernkurs für Literatur »Ver-rückte Biographien II«

»Wie ver-rücken? Wann und Wohin?
Dimensionen von Raum und Zeit in der Literatur«


16. bis 18. März 2018
Wien, Kardinal König Haus

Auf dem diesjährigen Tagungswochenende standen die Bewegungen von Figuren in literarischen Texten im Zentrum, die räumliche und zeitliche Grenzen ausloten. Gemeinsam mit ihnen überschritten wir Schwellen und kamen dabei selber in Bewegung.

Gleich zu Beginn der Fernkurstagung setzten wir uns auch mit literarischen Anfängen auseinander, und zwar mit jenen unserer vier Fernkursbücher, die von allen Fernkursteilnehmenden gelesen und in den vier Leseheften des Kurses genauer besprochen werden. Vier Räume standen dabei im Mittelpunkt, anhand derer die Leser*innen in die jeweilige fiktionale Welt einsteigen und die auch im weiteren Verlauf der Romane von besonderer Bedeutung sind:

Wir arbeiteten den Übergangs- und Schwellencharakter der vier Räume in den jeweiligen Texten heraus und sammelten ganz assoziativ persönliche und literarische Eindrücke zu den einzelnen Räumen. Gemeinsam mit den von den Teilnehmer*innen mitgebrachten Buchzitaten entstand so ein räumlich-literarisches Mosaik, das mit einem Klick auf das jeweilige Bild genauer betrachtet werden kann.



Mit unsem ersten Tagungsgast, dem freischaffenden Autor und Musiker Stefan Slupetzky (Bildergalerie, oben links), tauschten wir uns über das analytische Erzählen im Kriminalroman und die (auto)biographischen Ver-rückungen in Slupetzkys aktuellem Roman Der letzte große Trost aus. Wir staunten darüber, dass er beim Schreiben seiner Lemming-Krimis immer nur so viel weiß wie sein Ermittler und manchmal selbst davon überrascht ist, wer nun tatäschlich der Mörder war. Die Vielseitigkeit des Wiener Sprachkünstlers spiegelte sich nicht nur in seinen Lesungen aus drei ganz unterschiedlichen Texten und Genres wieder (Die Rückkehr des Lemming, Der letzte große Trost und die Kurzgeschichte "Wenn" aus Absurdes Glück), sondern wurde auch durch die musikalische Rahmung (aus "In Himmö", der neuen CD von Trio Lepschi) unterstrichen.

Julia Grillmayr (Kunstuniversität Linz, Bild oben rechts) stellte danach am Samstagvormittag kultur- und literaturwissenschaftliche Überlegungen zum "Spatial Turn" und dem in manchen Kreisen umstrittenen Phänomen der "Literaturgeographie" an. Gemeinsam reflektierten wir die Bedeutung von Raum in der Literatur, diskutierten, wann aus einem Ort denn nun eigentlich ein Raum wird, und hatten so unsere Schwierigkeiten, die "echten" Räume auch stets von den fiktionalen Räumen zu trennen.

Am Samstagnachmittag gingen wir in vier Workshops zeitlichen und räumlichen Ver-rückungen in Bild, Film und Märchen analytisch-interpretativ und schreibend-kreativ auf die Spur - angeleitet durch Michaela Hirsch, Magdalena Lueger-Kaltenecker, Victoria Bauernberger, Andrea Winkler und Ruth Frick-Pöder.

Abgerundet wurde die Tagung mit Cornelius Hells (Bild links unten) Buch-Vorstellungen aus dem österreichischen und mittelosteuropäischen Sprachraum, in denen er dem Identifikationspotential von Literatur und Fragen wie Wie sucht man Bücher? Und wie suchen einen Bücher? nachging. So schien es immer etwas Persönliches zu brauchen, etwas, das in einem widerhallt, damit ein Buch zum "Lieblingsbuch" wird. Ob unter den zahlreichen Titeln am Büchertisch (Bild rechts unten) wohl auch neue Lieblingsbücher entdeckt wurden? Geblättert und gelesen wurde darin jedenfalls fleißig. Denn:

"Ohne Lesen wäre das Leben ein Irrtum." (Cornelius Hell)

 

>>> Hier finden Sie das detaillierte Tagungsprogramm.

 

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Tagung im Rahmen des
Fernkurs für Literatur »Ver-rückte Biographien II«

»Entwicklung, Wandel und Verrückung von Identitäten«




9. bis 11. März 2018
Siegburg, Katholisch-Soziales Institut

Zum detaillierten Tagungsprogramm geht's >>> hier.

 

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Tagung im Rahmen des
Fernkurs für Literatur »Ver-rückte Biographien I«

»Brüche - topographisch, literarisch, medial«

10. bis 12. März 2017
Wien, Kardinal König Haus

Gemäß dem Untertitel Vom ver-rückten Erzählen, über und an Bruchlinien entlang blickten wir auf unserer diesjährigen Fernkurstagung auf Geschichten vom Aufbrechen und Ankommen, auf die Suche nach Identität und die Übergänge zwischen Fremdheit und Zugehörigkeit. Gemeinsam mit den zahlreich aus Österreich, Deutschland und Italien angereisten Teilnehmer*innen überschritten wir räumliche, sprachliche, mediale sowie formale Grenzen und schafften Platz für den kritischen Dialog mit dem Text.

Radek Knapp gab Einblick in sein Werk. Hier mit Semir Insayif.
 

Sandra Vlasta sammelte gemeinsam mit den Teilnehmenden Migrationstexte.

Reger Austausch rund um den Büchertisch.
 

Semier Insayif performt und diskutiert Lyrik.

Wir tauchten ein in "bewegte Geschichten" und erkundeten den Begriff "Migrationsliteratur" – einerseits aus der Perspektive des Autors Radek Knapp, der im Gespräch mit Brigitte Schwens-Harrant Spannendes zu erzählen wusste; andererseits von einem analytisch-wissenschaftlichen Standpunkt aus, in dessen Rahmen uns Sandra Vlasta deutsch- und englischsprachige Migrationstexte erkunden ließ. Neben dem Roman beschäftigten wir uns auch mit gezeichneten Ver-rückungen in Graphic Novels, warfen einen Blick auf das Filmgenre der Road Movies uvm. Der Lyrik widmeten wir uns in einem Vormittag voller eindrucksvoller Wortgeburten und Bedeutungsgeneratoren – ein Gedicht!

In einem kühnen Balanceakt bewegten wir uns über und an inhaltlichen und formalen Bruchlinien entlang, ließen uns von den Vortragenden ver-rücken und ent-zücken, und sind überzeugt, dass die gewonnenen Eindrücke auch nach der Tagung noch einige Zeit nachhallen!

Zum Start sammelten wir räumliche...
 

...und formale Brüche in der Literatur.

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Tagung im Rahmen des
Fernkurs für Literatur »Ver-rückte Biographien I«

»Bindungen - Brüche«

7. bis 9. April 2017
Würzburg, Exerzitienhaus Himmelspforten

Leben bedeutet Bewegung. Aufbrechen, ausbrechen, zerbrechen sind zentrale menschliche Erfahrungen, die uns in Lebens- und Lesewelten immer wieder begegnen. Naheliegend, sich intensiver mit dem Thema "Bindungen – Brüche" in einer literarischen Tagung auseinanderzusetzen.

34 Literaturinteressierte aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich reisten aus diesem Grunde vom 7. bis 9. April 2017 zur diesjährigen Fernkurstagung nach Würzburg. In Vorträgen und Workshops begaben sich die Teilnehmer*innen auf die Reise durch Bindungen und Brüche in der Gegenwartsliteratur sowie Autorenbiographien.

Den gesamten Bericht von Thomas Heimberg finden Sie auf der >>> Homepage des Borromäusvereins.

 

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Das Tagungsteam: Thomas Heimberg, Isabel Fraas und Martina Lainer (v.l.n.r.)

 

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Tagung im Rahmen des
Fernkurs für Literatur »In die Ferne lesen II«

»Globale Literatur, hybride Identität?«

4. bis 6. März 2016
Wien, Kardinal König Haus

Mit Blick auf das Verschwimmen der Grenzen zwischen Literaturen und Kulturen erkundeten wir mit unseren Teilnehmenden literarische Räume, Themen und Texte und widmeten uns dem Ab- und Aufbauen alter und neuer Grenzen. Auch der Austausch und das Gespräch kamen nicht zu kurz.

Ausgehend von Stichworten wie Transkulturalität, Hybridität und Globalisierung machten wir uns auf die Reise durch unterschiedliche literarische und kulturelle Räume und verloren dabei auch den internationalen Buchmarkt nicht aus dem Blick. Auf einer schwierigen Begriffslandschaft versuchten wir, unseren Weg durch die hybriden Wirrungen transkultureller Identitäten in einem globalen Kontext zu finden.

 

Als Übersetzerin vom Arabischen ins Deutsche reist Leila Chammaa täglich zwischen den Sprachen und Kulturen.
 
Die Autor*innen Marta González Molina aus Guatemala und Jorge Alois Heigl aus Venezuela gaben Einblicke in leider noch nicht ins Deutsche übersetzte lateinamerikanische Literaturen.

In einem Spagat der Kulturen und Literaturen tauchten wir ein in Kultur und Sprache der neuseeländischen Maori, reisten einmal um die Weltkugel nach Guatemala und Venezuela, die unterschiedlicher gar nicht sein könnten, und begaben uns auf eine eindrucksvolle Reise zwischen Arabisch und Deutsch.

Wir besuchten Indien, Kanada und den Libanon, hatten so unsere Schwierigkeiten mit der Weltliteratur und lernten auch Saudi-Arabien kennen. Ein weiter und schwieriger Weg war es zurück nach Wien und zu den ernüchternden Mechanismen der internationalen Buchbranche.

Nun blicken wir zurück auf ein spannendes Tagungswochenende, hoffentlich mit genügend Motivation und Erfahrung ausgestattet, uns in zahlreiche weitere noch unbekannte Literaturlandschaften aufzumachen.

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Tagung im Rahmen des
Fernkurs für Literatur »In die Ferne lesen II«

15. bis 17. April 2016
Würzburg, Exerzitienhaus Himmelspforten

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Tagung im Rahmen des
Fernkurs für Literatur »In die Ferne lesen I«

»Über-setzen«

6. bis 08. März 2015
Wien, Kardinal König Haus

Mit Blick auf die Frage Was es heißt, in die Ferne zu lesen nahmen wir rund um das mehrdeutige Wort Über-setzen unterschiedliche Perspektiven ein. Das Lesen und das Schreiben in verschiedenen Kulturen stand im Mittelpunkt der einzelnen Vorträge und Workshops, die gemeinsam einen vielschichtigen Dialog und die Über-setzung von Grenzen einleiteten.

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Tagung im Rahmen des
Fernkurs für Literatur »In die Ferne lesen I«

»Von Frauen und Männern - Spielarten (in) der Literatur«



7. bis 09. März 2016
Wien, Kardinal König Haus

Rund um den Weltfrauentag am 8. März 2014 blickten wir auf die unterschiedlichen Spielarten von Frauen und Männern (in) der Literatur. Wir machten die Vielfalt weiblichen sowie männlichen Lesens und Schreibens sichtbar und hinterfragten die damit verbundenen Konstruktionen und Festschreibungen. Die einzelnen Vorträge und Workshops bezogen daher - im Rahmen ihres jeweiligen Themas - immer auch genderspezifische Fragestellungen mit ein. Der Dialog und die Überschreitung von Grenzen standen auch hier im Mittelpunkt.

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