Literarische Kurse
Fernkurs-Tipps

Hier finden Sie vom Team der Literarischen Kurse zusammengestellte Informationen und Hinweise rund um den aktuellen Fernkurs >>> einLESEN:


Lese-Tipps

Bilderbuch, Roman, Kurzgeschichten: Die Lese-Tipps im Juli und August 2020 stammen wieder vom Österreichischen Bibliothekswerk in Salzburg, unserem Kooperationspartner im >>> Fernkurs für Literatur. In unterschiedlichen Genres erzählen sie von emotionalen, intimen und amorösen Beziehungsstrukturen zwischen Menschen aus verschiedenen kulturellen, generationellen und sozialen Sphären:

 

Hélène Delforge / Quentin Gréban: Liebe.
Aus dem Französischen von Anna Taube.
München: arsEdition 2020.

Literaten und bildende Künstlerinnen widmen sich seit Jahrhunderten dem ewigen Thema der Liebe, beides wird in diesem französischen Bilderbuch für Erwachsene bravourös zusammengeführt. Abgesehen von zwei Doppelseiten werden in diesem Werk 30 Spielarten der Liebe mit einem kurzen poetischen Text und einer Schwarz-Weiß-Abbildung auf der linken sowie einer farbigen Illustration auf der rechten Seite thematisiert.
Die ansprechenden Bilder verweisen größtenteils auf historische Szenen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und lassen mitunter den Blick über den europäischen Raum hinaus nach Amerika, Asien oder zu den Inuit schweifen. Außerdem finden sich Bezüge zur Kunstgeschichte, so wird im Text auf Ingres Odaliske verwiesen, noch offensichtlicher sind die Referenzen im Bild, sei es eine Abbildung, die an Man Rays Oeuvre erinnert, sei es eine Szenerie in der Ästhetik Alfons Muchas. Die abwechslungsreichen Liebesgeschichten sind nur in Ausnahmefällen in der Geschichte verankert, meist sind sie - wie die Liebe - zeitlos. Dieses Buch ist ein wunderschön gestaltetes Bilderbuch über Verliebtheit, Verführung, Erotik, Liebe und deren Scheitern.

Sandra Brugger | bn

 


Katya Apekina: Je tiefer das Wasser. Roman.
Aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit.
Berlin: Suhrkamp 2020.

Edie und Mae wachsen bei ihrer psychisch schwer kranken Mutter auf, die nicht wirklich in der Lage ist, sich ausreichend um ihre Töchter zu kümmern. Ihr Vater, der berühmte Schriftsteller Dennis Lomack, hat die Familie längst verlassen und keinen Kontakt zu seinen Kindern. Als die Mutter nach einem Selbstmordversuch in eine Klinik eingewiesen wird, müssen die beiden Teenager von einem Tag auf den anderen zu ihrem Vater nach New York übersiedeln.
Während die Ältere der beiden, Edie, ihrem Vater nicht verzeihen kann, dass er die Familie einst im Stich gelassen hat, versucht die jüngere Mae alles, um die Liebe und Aufmerksamkeit des Vaters auf sich zu ziehen. Edie reißt aus, flüchtet in ihre alte Heimat und versucht, ihre Mutter zu retten. Mae hingegen verliert sich in ihrer obsessiven Liebe zu ihrem Vater, in ihrem Wunsch nach seiner Anerkennung, und lässt sich auf ein gefährliches Spiel ein. Beide Mädchen steuern einer Katastrophe entgegen.
Ein dramatisches und tiefgründiges Buch, das schonungslos eine unglückliche Familiengeschichte in all ihren Facetten ausleuchtet und aufzeigt, wie fatale Beziehungsstrukturen Menschen zerbrechen lassen. Die Autorin wechselt gekonnt die Perspektiven und lässt nicht nur abwechselnd ihre beiden Protagonistinnen, sondern auch viele Nebenfiguren zu Wort kommen und ihre Sicht der Geschehnisse schildern. In wechselnden Zeitachsen werden den Leser_innen die Hintergründe nähergebracht und verdeutlicht.
Ein berührendes und intensives Buch, geschrieben in einer ausdrucksstarken und tabulosen Sprache.

Michaela Grames | bn

 

Ottessa Moshfegh: Heimweh nach einer anderen Welt. Storys.
Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger.
München: Liebeskind 2020.

Heimweh nach einer anderen Welt - das klingt wehmütig und romantisch. Doch diese Adjektive treffen den Sound der Kurzgeschichten Ottessa Moshfeghs ganz und gar nicht. Viele der Frauen und Männer, von denen hier erzählt wird, sind von Drogen- und Alkoholkonsum gezeichnet, ohne Chance aus ihren bedrückenden Verhältnissen herauszukommen. Um echte Beziehungen aufzubauen, mangelt es ihnen sowohl an Selbstbewusstsein als auch an Empathie. Hilflos, aber auch abstoßend und vulgär versuchen sie, ihre Bedürfnisse nach Anerkennung, Freundschaft und Sex durchzusetzen. Ein Mann in den mittleren Jahren hat sich beispielsweise in einer Videospielhalle in die Frau an der Kasse verliebt. Sie würdigt ihn zwar keines Blickes, doch seine Fantasien werden immer konkreter. Schließlich schickt er ihr eine anonyme SMS-Nachricht und schlägt ein Treffen vor. Er schreibt: Wenn ich Ihnen gefalle, klatschen sie in die Hände. Wenn nicht, pfeifen Sie. Die Antwort fällt nicht zu seinen Gunsten aus. Mit frustrierenden Situationen hat auch ein junger Mann zu kämpfen, dessen Traum es ist, in Hollywood reich und berühmt zu werden. Ein wenig hoffnungsvoller gestaltet sich das Schicksal einer attraktiven jungen Frau mit einer (nicht sichtbaren) Missbildung, die in einer chinesischen Familie Geborgenheit findet.
Die Autorin richtet ihren Blick auf die Schattenseiten des American Way of Life und entlarvt das amerikanische Credo "Du kannst alles schaffen, wenn du es nur willst" als Illusion. Wenn die Gesellschaft ein Scheitern als persönliches Versagen ansieht, ist der Sturz der Betroffenen in Resignation und Sucht keine Seltenheit.
Ausgezeichnet geschrieben und nicht ohne Verständnis für die "Erniedrigten und Beleidigten" animieren die Kurzgeschichten, vorschnelle Urteile zu hinterfragen und darüber nachzudenken, was zu einer humaneren Gesellschaft beitragen könnte.

Ingrid Kainzner | bn

 



www.biblio.at

 


 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


>>> mehr Lese-Tipps


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Veranstaltungs-Tipps

Zu „normalen“ Zeiten finden Sie hier Tipps zu Literaturveranstaltungen, auf die wir Sie ganz besonders hinweisen möchten. In Zeiten von Corona sind physische Veranstaltungen leider nicht möglich, weswegen immer mehr Institutionen und Autor_innen auf digitale Möglichkeiten zurückgegriffen. Im Folgenden haben wir unterschiedliche online-Angebote für Sie zusammengetragen – denn glücklicherweise kann man Literatur(-veranstaltungen) auch innerhalb der eigenen vier Wände konsumieren:

Auch der Bachmannpreis 2020 findet dieses Jahr digital statt. Alle Lesungen der Autor_innen und Diskussionen der Jury, unter der sich heuer auch die Literaturkritikerin und Referentin der >>> Vorauer Literaturtage Brigitte Schwens-Harrant befindet, sind online als Live-Sendung bzw. im Anschluss als Video-on-demand abrufbar.
bachmannpreis.orf.at

Daniel Wisser, der Autor unserer dritten Fernkurs-Lektüre Königin der Berge, wählt auf seiner Website einen Weg, der seine Lesungen zwar nicht ersetzen, aber über die kommenden Wochen hinweg helfen kann. Unter dem Titel Zeiten der Kontumanz stellt er Miniaturen online, die Textperformances nachahmen:
www.danielwisser.net

Unter dem Titel Live-Lesen! sendet das Literaturhaus Salzburg jeden Tag um 20 Uhr über seine Facebook-Seite eine Lesung von österreichischen Autorinnen und Autoren live. Das Programm kann auf der Homepage des Literaturhauses eingesehen werden. Alle Videos – wie zum Beispiel die Lesung von Angela Lehner aus Vater unser, die vierte Lektüre im aktuellen Fernkurs für Literatur – können >>> hier nachgeschaut werden.
www.literaturhaus-salzburg.at

Der österreichische Residenz-Verlag bündelt unter dem Titel Chronik eines Ausnahmezustands Blog-Beiträge von Autorinnen und Autoren, die bei Residenz publizieren und nun „aus ihren Wohnungen und Wohnwägen, aus Wien und Graz, London und Berlin, aus Europa und Afrika“ über das Zuhausebleiben schreiben.
www.residenzverlag.com/blog


Das Literaturhaus Graz hat basierend auf dem für die nächsten Wochen geplanten Veranstaltungsprogramm eine Reihe österreichischer Autorinnen und Autoren eingeladen, ab sofort ein Tagebuch über die Auswirkungen des Corona-Virus und die Maßnahmen seiner Bekämpfung auf das alltägliche Leben und den Zustand der Gesellschaft zu führen. www.literaturhaus-graz.at

NDR und SWR haben unterdessen eine online-Vorlesereihe ins Leben gerufen, die sich an Kinder richtet. Live gelesen mit … zeigt jeden Tag um 17 Uhr eine bekannte Autorin bzw. einen bekannten Autor, der/die im eigenen Wohnzimmer live aus einem seiner/ihrer Bücher vorliest.
www.ndr.de

Für das eigene Lese- und Hörvergnügen sorgen die Büchereien Wien, die ihr gesamtes online-Angebot für die Dauer der notwendigen Schließung kostenlos zur Verfügung stellen. Darüber hinaus betreiben sie auch einen YouTube-Kanal mit sogenannten Corona-Lesungen.
www.buechereien.wien.gv.at
www.youtube.com

Unter dem Motto Lesen mit Ö1 werden nicht nur Neuerscheinungen und Buchtipps versammelt, sondern auch Informationen über aktuelle online-Literaturangebote bereitgestellt.
oe1.orf.at/lesen

Am 26.03.2020 fand der dritte österreichische Vorlesetag statt. Im Zuge dessen hat unter vielen anderen auch der österreichische Autor Stefan Slupetzky vorgelesen. Alle Beiträge können online nachgehört werden.
vorlesetag.eu/mediacenter

Unter www.zehnseiten.de versammeln sich Beiträge verschiedener Autor_innen, die jeweils zehn Seiten aus ihren Werken vorlesen und damit Lust auf mehr machen.
www.zehnseiten.de

Lesestoff kann dieser Tage bei vielen Buchhandlungen über den Onlineshop bequem nach Hause bestellt werden.
z. B. www.tyrolia.at (in Österreich kostenlos)

 




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Link-Sammlung

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