Hier finden Sie vom Team der Literarischen Kurse zusammengestellte Informationen und Hinweise rund um den aktuellen Fernkurs »frauenLESEN«:
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Lese-Tipp im März 2026
Djaili Amadou Amal: Die ungeduldigen Frauen. Aus dem Französischen von Ela zum Winkel. Berlin: orlanda, 2022. Geduld! heißt es in dem Roman der kamerunischen Autorin Djaili Amadou Amal, Munyal Geduld! Geduld, das wird den Bewohner*innen der fulbischen Familien des Nordkamerun mit den ersten an sie gerichteten Worten vermittelt, Geduld ist die erste Säule des patriarchalen Gesellschaftskodex und als allumfassende Selbstbeherrschung vor allem von den Frauen erwartet. Emotionen sollen reguliert und im Inneren bleiben, Zurückhaltung und Anstand das Leben bestimmen. Nur Geduld wird zur Zauberformel, die den Frauen gereicht wird, die es wagen, vor ihren Vertrauten zu klagen, und reich ist auch die Liste der Anweisungen und Ratschläge, die die Familie für die Halbschwestern Ramla und Hindou am Tag ihrer Zwangsheiraten hat:
Ramla, jung, gebildet und glücklich verlobt, wird mit einem älteren und reichen Mann verheiratet und zu dessen Zweitfrau, die Verlobung von der Familie aufgelöst. Hindou wird aus familienpolitischen Gründen dem trinkenden und geldverprassenden Cousin versprochen. Aus beiden Perspektiven erfahren wir vom Tag der Hochzeit und den darauffolgenden Wochen und Jahren, in denen jede Stunde des Tages an die Regeln des Haushaltes und des Kodexes angepasst ist. Für Ramla bedeutet dies, sich wortlos dem Ehemann unterzuordnen und die Feindseligkeiten der älteren Hauptfrau zu ertragen. Für Hindou aber folgt der Hochzeit das größte Martyrium häuslicher Gewalt, die immer wieder in Sphären eskaliert, die für uns Leser*innen kaum zu ertragen sind. Das Level an physischer und psychischer Brutalität, mit der Hindou von ihrem mit Aufputschmitteln und Viagra zugedröhnten Mann gequält wird, kostet ihr mehrfach beinahe das Leben. Als sie zu ihrer Familie flieht und sich der Tante anvertraut, erwartet sie aber weder Schutz noch Trost:
Hindou, die schließlich in Resignation verfällt und jegliche mentale Gesundheit verliert, wird damit diagnostiziert, von einem Dschinn besessen zu sein. Aussicht auf Erlösung aus der gewaltvollen Ehe besteht für die junge Frau nicht mehr.
„Die ungeduldigen Frauen“ ist mehr als eine bloß unbequeme Lektüre. Der Roman verstört, rüttelt auf und stößt ab. Er erinnert aber auch an die Lebensrealitäten von Frauen, die nach wie vor bestehen und uns ratlos machen angesichts der Ungerechtigkeit und Gewalt, die vorherrscht. Wie also umgehen mit einem Roman, der mehr als nur eine Geschichte erzählt? Weiterempfehlen. Iris Gassenbauer
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