Literarische Kurse
Fernkurs-Tipps

Hier finden Sie vom Team der Literarischen Kurse zusammengestellte Informationen und Hinweise rund um die aktuelle Fernkursreihe "Ver-rückte Biographien":




Lese-Tipps

Andrea Winkler:
Die Frau auf meiner Schulter
Wien: Zsolnay 2018.

Eine Frau außerhalb der gewöhnlichen Erreichbarkeit (S. 19), ein abgelegenes Dorf, die Natur im Lauf der Jahreszeiten ... Genug Stoff für einen Roman? Ja, und nicht nur das: darüber hinaus auch genau der richtige Rahmen, um ein Leben zur Sprache zur bringen, das vorübergehend zum Stillstand gekommen ist, oder, um es mit den Worten der Autorin zu sagen: um von Lebensläufen zu erzählen, die vorübergehend Rinnsale geworden sind (S. 101f.).

Die Autorin Andrea Winkler zeichnet in tagebuchartigen Aufzeichnungen, Traumnotizen und Briefen das Bild einer Frau, die es – buchstäblich – aus der Bahn geworfen hat: raus aus dem pulsierenden Leben der Großstadt, raus aus den gesellschaftlichen Bezügen, raus aus dem Halt gebenden Freundeskreis und raus aus Sinn stiftender Arbeit.

Was soll daraus werden? (S.7) – Mit viel Sprachwitz und Ironie bringt Andrea Winkler das „Aus-der-Zeit-gefallen-Sein“ ihrer Figur zu Gehör. Eine zufällige Begegnung auf einem winterlichen Spaziergang klingt dann etwa so:

Ein Mann blieb stehen und fragte mich, wo ich meine Langlaufskier vergessen hätte. Ich antwortete, zuhause, im Keller, bei Friedrichs Gehstöcken und Regenschirmen. „Sind Sie mit Friedrich verheiratet?“ – „Nein, Friedrich ist tot und hat sein Haus zu sehr geringer Miete Menschen überlassen, die nichts Besseres zu tun haben, als die Tage vergehen zu lassen, ohne sich durch besondere Werke in ihren Lauf zu mischen.“ – „Was muss man getan haben, damit einem dieses Glück zuteil wird?“ – „Zu viel vom Falschen.“ Der Mann lachte. Wenn das so ist, würde er gern einmal vorbeischauen, er sei erfahren auf diesem Gebiet. (S. 22)

Oder, einige Seiten weiter, die humorvolle Antwort auf die gefürchtete Frage „Was machen Sie hier?“:

Ich gehe spazieren, liege hier mit Ihnen und trinke am helllichten Tag Wein, ... Darüber hinaus denke ich darüber nach, wie die Nacht zum Tag wird, und schreibe manchmal auf, was ich träume, ... (S. 33)

Lamentieren über das eigene Schicksal sieht anders aus. Dagegen setzt Martha, so heißt die Protagonistin, auf Trotz und Beharrlichkeit: Ich setzte meinen Spaziergang fort und ging weiter wie ein Mensch, der fest entschlossen ist, sich unter allen Umständen an ein paar Regeln des Alltags zu halten. (S. 7)  „Aus der Zeit gefallen“, ja, aber „dennoch in ihr bleiben“ – so lautet die Devise, und unter Umständen dabei sogar ein paar besonders kräftige Wurzeln ausbilden.

Die Natur, in ihrem beständigen Kreislauf, kommt Martha in ihren Suchbewegungen entgegen und bildet auch den formalen Rahmen: Die Tagebucheinträge beginnen an einem 3. Jänner, mit Eis und Kälte, Stillstand und einem großen Schlafbedürfnis; und sie enden an einem 17. Juli, mitten in einem pulsierenden Sommer und mit dem Bild einer Barke, die es gilt – mit einem Stoß – auf die Reise zu schicken ...

Und wo bleibt die titelgebende Frau auf meiner Schulter? Sie entstammt einem merkwürdigen Traum (S. 13), sie ist schwer und leicht zugleich, es gilt sie zu trösten und fortzubringen von einem Ort, der sie zu überwältigen droht ... Lesen Sie sich mit Andrea Winkler durch Traum und Wirklichkeit und entdecken Sie jene leisen, oft unbewussten Wege, die unser Tun prägen und neu in Gang bringen können!

Verfasst von Helene Thorwartl

Lesungs-Termine mit Andrea Winkler:
Do, 20. Sept. 2018, Linz, StifterHaus
Mo, 24. Sept. 2018, Wien, ÖGL
Di, 25. Sept. 2018, Graz, Literaturhaus
Mi, 3. Okt. 2018, Innsbruck, Literaturhaus
Frei, 5. Okt. 2018, Bad Fischau, Schloss
So, 11. Nov. 2018, Wien, Buch Wien
Di, 4. Dez. 2018, Salzburg, Literaturforum

Wochenendlektüren "Der Augen Blick"
mit Andrea Winkler und Ruth Frick-Pöder: Lesephasen, Gespräche, kreative Annäherung uvm.
Einladung zu einem Lektürewochenende von
9.-11. Nov. 2018 in Wien. > mehr

 

Die Frau auf meiner Schulter
von Andrea Winkler

 




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




 

 

Andrea Winkler,
geb. 1972 in Freistadt (OÖ),
lebt als freie Schriftstellerin in Wien.

(Foto: Kurt Hoerbst)


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Veranstaltungs-Tipps

STADTLESEN: Lesefestival

Im Rahmen der zehnten JubiläumsLiteraTour ver-rücken
26 StadtLesenJubiläumsstädte
in Österreich und Deutschland und zahllose Leserinnen und Leser im Sommer 2018 ihre Lesesituation in die Freiluft:

»Die Besucher frönen Ihrer Leselust im mobilen Lesewohnzimmer, wählen aus mehr als 3000 Büchern in den Büchertürmen ein Exemplar aus, lassen sich nieder auf gemütlichen Lesesitzmöbel und lesen, lauschen, vertiefen sich, verweilen – geben sich Ihrer Phantasie hin. Autoren stimmen in ihrer Funktion als Bibliophiles Highlight ein auf vier Tage Lesegenuss – unter freiem Himmel bei freiem Eintritt. StadtLesen ist unspektakulär spektakulär, unaufdringlich durchdringlich. Die Besucher haben Zeit zum Lesen, zum Phantasieren. Das Projekt fördert die gesunde Langeweile, weckt die oft verloren gegangene Phantasie.« (StadtLesen)

Termine im September:
6.-9. September in Graz (Hauptplatz)
13.-16. September in München (Odeonsplatz)
20.-23. September in Penzberg (Stadtplatz)
27.-30. September in Klagenfurt (Neuer Platz)

Weitere Termine finden Sie hier.

www.stadtlesen.com

 

StadtLesen
April bis Oktober 2018
in Österreich und Deutschland


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