Literarische Kurse
Fernkurs für Literatur: einLESEN

Unter dem Thema >>> einLESEN widmen wir uns intensiv dem Miteinander von Lesen und Literatur
und bringen persönliche Lektüreerfahrungen in Beziehung zu aktuellen literarischen, aber auch literaturtheoretischen Entwicklungen.

In vier Modulen, die jeweils aus einem Überblicksheft Horizonte und einem kürzeren Heft Lektüre bestehen, stellen wir ein "Handwerkszeug fürs Lesen" zur Verfügung und informieren über Leseerfahrungen und Lesekompetenzen, Textformen und Gattungen, Erzählen im Alltag und in der Literatur, Textzugänge und Lesarten, uvm.


Die Überblickshefte Horizonte

Die Überblickshefte Horizonte bieten eine erste Orientierung und bereiten ein literarisches Thema anhand von konkreten Textbeispielen auf. Die Teilnehmer_nnen erhalten damit gleichzeitig eine Fülle von Buchtipps für die weitere persönliche Auseinandersetzung.

 

Die Hefte Lektüre

Im Zentrum der Hefte Lektüre stehen vier literarische Texte, deren genaue Lektüre und intensive Auseinandersetzung die Basis für die Beschäftigung mit den Lektüre-Heften bilden. Letztere beinhalten vielfältige Informationen rund um die ausgewählten literarischen Texte, knüpfen an (persönliche) Leseerfahrungen an und laden ein, die erworbenen Wissens-"Horizonte" exemplarisch anzuwenden.


Die Leseheftautor_nnen

Die Leseheftautor_innen kommen aus Österreich und Deutschland und sind in ganz unterschiedlichen Bereichen des Literaturbetriebs tätig. Zusammen werden sie Ihnen einen vielseitigen Zugang zu Literatur eröffnen:

 

• Modul LESEN

Leseheft Horizonte: von Jana Sommeregger (Germanistin, Referentin im Bereich Leseförderung und
Literaturvermittlung, Alumna von Teach for Austria und Lehrerin an einer NMS in Wien)

Leseheft Lektüre: von Victoria Bauernberger (Germanistin und Politikwissenschafterin, BHS-Lehrerin,
freiberufliche Lektorin, Fernkursbegleiterin) und Michaela Hirsch (Germanistin und Hispanistin, Kulturmanagerin, BHS-Lehrerin, Fernkursbegleiterin)

Lektüre-Text derzeit in Auswahl.

Zu Beginn des Fernkurses sollen das Lesen als Kulturtechnik im Zentrum stehen. Darüber, dass es sich bei dem Akt des Lesens um keinen passiven Rezeptionsvorgang, sondern vielmehr um einen aktiven Prozess der Bedeutungskonstruktion handelt, ist man sich selbst auf interdisziplinärer Ebene einig. Nicht nur unsere Lesemotivation, sondern auch unsere Lesarten desselben Textes hängen davon ab, mit welcher (Lese-)Biografie und mit welchen Vor(ein)stellungen wir an diesen Text herantreten: In welchen Situationen und zu welchen Zwecken lesen wir einen Text? Und auf welche unterschiedlichen Medienkompetenzen können bzw. müssen wir dabei zurückgreifen?

In der Lektüre literarischer Texte sind individuelle Fähigkeiten genauso von Bedeutung wie unsere persönlichen Erfahrungswerte. Welche Lernphasen und Kompetenzstufen wir dabei durchlaufen, wie wir unsere (verbalen, schriftsprachlichen, visuellen, filmischen etc.) Literacy-Fähigkeiten entwickeln und
wie sich diese im Digital- und Social-Media-Zeitalter gewandelt haben, untersuchen die Lesesozialisations- und Lesekompetenzforschung.

 

• Modul 2: FORMEN

Leseheft Horizonte: Jörn Figura-Buchner (Bildungsreferent des Borromäusvereins in Bonn,
Literaturwissenschaftler, www.borromaeusverein.de)

Leseheft Lektüre: Martina Lainer (Germanistin, Religionspädagogin und Krankenhausseelsorgerin,
freiberufliche Literaturvermittlerin, Fernkursbegleiterin.)

Lektüre-Text: Die Königin der Berge von Daniel Wisser (Jung und Jung 2018)

Das zweite Modul des Fernkurses sensibilisiert die Teilnehmenden für die dem Text eigenen formalen Merkmale und rezeptionsästhetischen Aspekte unterschiedlicher Textformen und Gattungen. Abseits des Gattungstrias von Epik, Lyrik und Dramatik sollen auch genreübergreifende Erzählformen und hybride Gattungen, wie lyrische Prosa oder szenisches Erzählen im Roman, in den Fokus rücken. Bereits in der Antike beschrieben Platon und Aristoteles in ihren Schriften zwei grundlegende Modi der Darstellung: Diegese und Mimesis. In diesem Sinne spricht die moderne Literaturwissenschaft auch von telling und showing.

Im Fernkurs sollen vor allem die Verschränkungen von narrativem und zeigendem Modus berücksichtigt und den unterschiedlichen Formensprachen der jeweiligen Textbeispiele nachgegangen werden: Was unterscheidet lyrische Texte von Prosatexten? Muss ein Roman immer in epischer Form verfasst sein? Welche theatralen bzw. dramatischen Aspekte finden sich in Texten wieder? Gattungen und Genres werden dabei nicht als fixe, starre Kategorien begriffen, sondern als vielseitige Möglichkeiten des Erzählens, die – sowohl in Bezug auf ihre textinternen Eigenschaften als auch auf die ihnen von den Leser_innen entgegengebrachten Erwartungshaltungen – einem stetigen Wandel unterworfen sind.

 

• Modul 3: ERZÄHLEN

Leseheft Horizonte: Brigitte Schwens-Harrant (Feuilletonchefin der österreichischen Wochenzeitung
DIE FURCHE, Literaturkritikerin, Autorin, Lehrbeauftragte an den Universitäten
Innsbruck und Salzburg, 2015 Österr. Staatspreis für Literaturkritik, www.furche.at.

Leseheft Lektüre: Iris Gassenbauer (Germanistin, Studium der Sprachkunst an der Universität für
angewandte Kunst, freie Mitarbeiterin der STUBE – Studien- und Beratungsstelle für Kinder
-und Jugendliteratur, www.irisgassenbauer.wordpress.com)

Lektüre-Text: Die Bücherdiebin von Markus Zusak (Aus dem Engl. v. Alexandra Ernst, cbj 2015, Taschenbuchausgabe bei Random House)

Das dritte Fernkursmodul geht auf jenes „Handwerkszeug“ ein, das Schreibenden und Sprechenden beim Erzählen von Geschichten zur Verfügung steht. Wir alle erzählen jeden Tag Geschichten, immer und überall, unendlich viele davon. Manche gehen sogar so weit zu behaupten, wir können unsere (außersprachliche) Welt nur erzählend (also sprachlich) begreifen. Mündliche Erzählformen präg(t)en alle Kulturen unserer Welt. Storytelling dient sowohl dem kommunikativen Austausch und dem Tradieren von Wissen und Werten, als auch der Sprachkunst selbst.

Wie aber entsteht eine Geschichte? Worin unterscheidet sich Erzählen im Alltag von literarischem
Erzählen? Wie können ausgewählte Aspekte der Erzähltheorie (wie die Darstellung von Zeit, Raum oder Erzählperspektive) für die Interpretation von einzelnen Texten und Lesarten fruchtbar gemacht werden? Und was ist unter „Erzählung“ im (gesellschafts-)politischen Sinne zu verstehen? Diese und viele weitere Fragen, sollen im Fernkurs thematisiert werden.

 

• Modul 4: ZUGÄNGE

Leseheft Horizonte: Daniela A. Frickel (Akademische Oberrätin am Institut für deutsche Sprache
und Literatur II der Universität Köln; Literaturwissenschafterin, www.uni-koeln.de)

Leseheft Lektüre: Christina Pfeiffer-Ulm (freie Germanistin und Rezensentin im Bereich Kinderund
Jugendliteratur und -medien, AHS-Lehrerin)

Lektüre-Text derzeit in Auswahl.

Kann ich bzw. muss ich einen Text „verstehen“? Gibt es „richtige“ und „falsche“ Lesarten? Welchen Mehrwert hat eine nur am Text selbst orientierte Herangehensweise an Literatur? Mit welchen Methoden kann man sich aus literaturwissenschaftlicher Perspektive einem Text nähern? Mit welcher „Brille“ lese ich literarische Texte?

Die Literaturwissenschaft hat verschiedene Texterschließungsmethoden entwickelt, die aus unterschiedlichen Perspektiven an einen Text herangehen. Während textorientierte Verfahren den Fokus auf textimmanente Aspekte richten, orientieren sich rezeptionsästhetische Analysen an dem Lektüreprozess und der Wahrnehmung der Leser_innen. Dagegen gehen kontextorientierte Zugänge über den (gelesenen) Text als solchen hinaus und beziehen historische, kulturelle und gesellschaftspolitische Aspekte mit ein. Im abschließenden Kursmodul sollen unterschiedliche interpretatorische Zugänge eröffnet werden, die der Bedeutungsvielfalt literarischer Texte Rechnung tragen.