LitKu - Buch des Monats Jänner 2018

Natascha Wodin: Sie kam aus Mariupol. Reinbek: Rowohlt 2017.

»Eigentlich, glaubte Natascha Wodin, gehöre ihre Familie einer Art "Menschenunrat" an, der Zwangsarbeiter. Doch Wodins Mutter hatte als junges Mädchen den Untergang ihrer Adelsfamilie im stalinistischen Terror miterlebt.« (mdr)

In dem ersten Leseheft unseres im Jänner 2018 gestarteten Fernkurs für Literatur "Ver-rückte Biographien. Mit vier Büchern durch Raum und Zeit" beschäftigen wir uns mit dem Buch Sie kam aus Mariupol von der deutsch-russisch-ukrainischen Schriftstellerin Natascha Wodin, die dafür den Preis der Leipziger Buchmesse 2017 (Kategorie Belletristik) erhielt. In Ihrem Text versucht sie, die Lebensgeschichte ihrer Mutter zu rekonstruieren und bewegt sich dabei auf der schmalen Grenze zwischen Fiktion und Nichtfiktion, zwischen autobiographischem und romanhaftem Schreiben.

In dem am 4. März 2017 im deutschen Rundfrunksender mdr ausgestrahlten Interview mit Katrin Wenzel erzählt sie von ihrem Versuch, dieser Geschichte eine angemessene Form zu geben. Sie berichtet von ihrer Kindheit in Deutschland, die geprägt war von ihrem sprachlichen und kulturellen Dazwischen und von dem Rätsel um die Biographie und Identität ihrer Mutter. Vor dem Hintergrund des 100. Jahrestages der russischen Oktoberrevolution publiziert sie 2017 ihr Buch Sie kam aus Mariupol, in dem sie die von politischen Umwälzungen geprägte Vergangenheit ihrer Familie analytisch "wie [in] ein[em] Krimi" (Katrin Wenzel) aufrollt. Von besonderer historischer Relevanz ist dieses literarische Werk, das sich auch mit den Zwangsarbeiter*innen beschäftigt - Schicksale, von denen wir heute aufgrund der fehlenden Dokumentation und den kaum existenten Erinnerungs- und Textzeugnissen viel zu wenig wissen. In dem Interview erzählt sie davon, wie es dazu kam, dass Millionen Menschen, darunter zahlreiche Ukrainer und Ukrainer*innen, zu Zwangsarbeitern wurden, und von ihrem Leben in "Nicht-Existenz" (Natascha Wodin) danach.

 

Claudia Sackl

cg/cg

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