LitKu - Buch des Monats November 2024

Robert Louis Stevenson: Dr. Jekyll & Mr. Hyde und andere Gruselgeschichten. Reihe Große Schmuckausgabe, Coppenrath 2024.

Robert Louis Stevenson – ein Name, der mit großen Klassikern verbunden wird und es deswegen auch in unseren November-Lesetipp geschafft hat. Wenn Ihnen nun als erstes „Die Schatzinsel“ einfällt, so müssen wir Sie von tropischer Wärme in Richtung britischer Nebelstimmung entlang der Londoner Themse entführen. Dort nämlich treibt ein gewisser Mr. Hyde sein Unwesen und versetzt die Stadt in Schrecken.


In der Schmuckausgabe des Coppenrath Verlags, die in einem äußerst schicken Layout das Auge erfreut, werden aber gleich mehrere Erzählungen und Novellen des Autors versammelt – darunter auch solche, die bisher den meisten Leser*innen entgangen sein dürften. Wer sich zwischen Kurzgeschichten wie „Der Leichenräuber“ (1884), „Der Flaschenteufel“ (1891) oder auch dem postum veröffentlichen „Die Versprengten“ (1914) wohligen Schauer über den Rücken rieseln lassen möchte, ist hier also genau richtig. Ergänzt wird die Auswahl der novemberdüsteren Novellen aber nicht nur durch das stimmige neongrün-schwarze Design und teils historische Illustrationen. Der Schmuckausgabe liegen auch zehn Beilagen bei, die zwischen den Buchseiten versteckt für haptische Überraschung und eine Erweiterung der Texte sorgen. Vom Filmplakat über ein Briefkuvert samt Schreiben Henry Jekylls an dessen Kollegen Dr. Lanyon bis hin zur Einführung in das moderne Duellwesen des 19. Jahrhunderts sind die Beilagen als anregende „Darüberhinauslektüren“ eine Ergänzung, die für besonderes Lesevergnügen sorgen.


Wer sich zusätzlich zu Autor und Werk informieren möchte, wird im Nachwort (von Übersetzer Martin Engelmann) und den ergänzenden Anmerkungen zu den Texten fündig. Hier heißt es zum eindringlichen Stil des früh auf Samoa verstorbenen Autors:

Stevensons Erzählungen sind gekennzeichnet von der Konzentration auf das Wesentliche. Seine straff gebauten und rhythmisch strukturierten Geschichten erreichen aufgrund des Verzichts auf Ausschmückung ein Höchstmaß an Präzision. Weitschweifige Schilderungen von Szenerien sucht man vergebens, statt Stimmung gibt uns der Autor Handlung, meist vorangetrieben durch den dramatischen Dialog. Kampf dem Adjektiv!, lautete eine Devise Stevensons, die ausdrückt, was er als redlichen Umgang mit erzählerischen Mitteln ansah. An der Tatsache, dass sich bei dieser bewussten Beschränkung dennoch immer eine Atmosphäre einstellt, die den Leser gänzlich in die Handlung eintauchen und das Umfeld selbstständig bis zur Anschaulichkeit ergänzen lässt, zeigt sich die hohe Kunst Stevensons.
(S. 264)

In der Reihe Große Schmuckausgaben des Coppenrath Verlags sind gleich mehrere Klassiker zu finden und sie alle kommen als wahre Hingucker an. Glänzender Seitenschnitt, geschmackvolle Illustrationen und ein farblich durchkombiniertes Layout machen nicht nur Sammler*innen Freude. Vor allem aber die Beilagen, die in unterschiedlichen Formen und Formaten lose zwischen den Seiten zu finden sind, machen die Lektüre zu einer freudigen Ostereier-Suche.


Mit „Robert Louis Stevenson: Dr. Jekyll & Mr Hyde und andere Gruselgeschichten“ machen sich nicht nur beinharte Fans der Schauerliteratur eine Freude. Auch für Freund*innen spezieller Sammel-Ausgaben ist die Schmuckausgabe ein Buch, das im Regal (oder auch am Nachttisch) bei Groß und Klein für Aufmerksamkeit sorgt. 

 

Iris Gassenbauer

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