LitKu - Buch des Monats Oktober 2024

Italo Calvino: Warum Klassiker lesen? Fischer 2013.

Es scheint die passende Frage zum Auftakt des Fernkureses „klassikLESEN“ zu sein:
Warum eigentlich sollen / müssen /können wir uns mit den Klassikern der Literatur beschäftigen?
Jeden Tag kommen neue Erscheinungen auf die Ladentheken, gefühlt rückt Minute um Minute eine Publikation nach, die vielversprechend klingt…und dann sind da auch noch die manchmal unendlichen Listen an noch zu lesenden Büchern, an Buchtipps und Leseempfehlungen, die wir mit uns herumtragen. Haben Klassiker da überhaupt noch Platz? In seinem Standardwerk zum Thema der großen Klassiker geht der in San Remo aufgewachsene Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Italo Calvino der Frage nach, warum es sich sehr wohl lohnt, Klassiker zu lesen, warum aber kein Zwang dazu besteht. Das hört sich in Calvinos lockeren Worten so an: Der einzige Grund, den man anführen kann, ist der, daß es besser ist, die Klassiker zu lesen, als sie nicht zu lesen. (S. 14). Calvino ist kein Klassiker-Missionar, der uns Lesende davon zu überzeugen versucht, dass wir in ewiger Ignoranz tappend ein unerfülltes Leben leben werden, wenn wir nicht diese 50 oder jene 100 Klassiker (mehrfach) gelesen haben. Aber er ist ein Fürsprecher, der in seinem Werk neben einer kurzen Einführung viele praktische Beispiele heranholt und auf ihre Klassikertauglichkeit hin abklopft. Darunter finden sich auch viele Werke, die heute kein Teil des klassischen Kanons mehr sind und es vielleicht durchaus wert wären, wieder ausgegraben zu werden. Von Candide über Daisy Miller, von Zwei Husaren bis hin zu Robinson Crusoe beschäftigt sich der 1985 in Siena verstorbene Calvino, dessen Werk zum italienischen Volksgut gezählt wird, mit Altbekanntem und womöglich Schonvergessenem, das es dennoch wert ist, im Lichte der Klassiker diskutiert zu werden.

 

Iris Gassenbauer

cg/cg

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